Neuer Altlastenverdacht: die Chemikaliengruppe PFAS

PFAS sind eine Gruppe von Industriechemikalien, die etwa 4700 Substanzen umfasst. Dabei handelt es sich um organische Verbindungen, bei denen die Wasserstoffatome durch Fluoratome ersetzt sind. Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) bilden die Leitsubstanzen der PFAS-Verbindungsklasse.

Ihre besonderen Eigenschaften machen sie in vielen Industriebereichen und auch im Haushalt scheinbar unverzichtbar, denn der vielfältige Einsatz erfolgt aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften:

Neben ihrer Oberflächenaktivität (wasser- und fettabweisend zugleich) haben sie zudem aufgrund ihrer chemischen Struktur eine hohe thermische und chemische Stabilität. Somit besitzt diese Stoffgruppe attraktive Eigenschaften für die Herstellung von Outdoorbekleidung, fettabweisenden Lebensmittelverpackungen, filmbildenden Feuerlöschschäumen, Netzmittel in der Galvanik, Reinigungsmittel, Medizinprodukten, Hilfsmitteln bei der Halbleiterherstellung, sowie Kosmetikprodukten und viele mehr.

Doch es sind genau diese Eigenschaften, die grosse Nachteile mit sich bringen, sobald diese Stoffe in die Umwelt gelangen. Aufgrund ihrer Persistenz und Mobilität sind perfluorierte Alkylsubstanzen selbst in den entlegensten Gebieten der Erde nachweisbar.

PFOS, welches deutlich bioaffiner als PFOA ist, findet sich weltweit in Fischen, Meerestieren, Wildtieren, Milch und zahlreichen anderen Lebensmitteln und lässt sich - wie einige andere PFAS - auch in menschlichem Blut und Muttermilch nachweisen.

Aufgrund der oben beschriebenen Problematik gewinnen die PFAS auch im Rahmen der der Altlastenuntersuchungen und -sanierungen immer mehr an Relevanz.

Mittlerweile wurden für 9 PFAS Konzentrations-Werte hergeleitet, die im Bereich zwischen 0.7 und 700 µg/l liegen. Weiterhin wurden für 4 PFAS Annahmegrenzwerte für Deponien nach VVEA hergeleitet.

Da diese Thematik in Zukunft im Altlasten- und Umweltrecht verankert wird, ist damit zu rechnen, dass bei entsprechenden Verdachtsfällen von den Behörden zukünftig auch Beprobungen auf diese Parameter gefordert werden.

Die branchenbezogenen Standorte sind insbesondere:

  • Flugplätze,
  • Feuerwehrstützpunkte und Übungsgelände,
  • Brandflächen nach Löschschaumeinsatz,
  • Galvanikbetriebe (auch als Anlagenbestandteil),
  • Papier- und Fotoindustrie,
  • Abwasser / Klärschlamm / Beregnungswässer.

 

Ihr Ansprechpartner:

Michael Rüffer
Partner, Ressortleiter Altlasten